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vom 24.04.2009
 

Mittendrin und doch versteckt

Von unserem Redaktionsmitglied Carmen Weiss
 
Zwar liegt die Martinsschule im Zentrum der Stadt Sindelfingen. Trotzdem wird die Förderschule in der Öffentlichkeit häufig übersehen. Zum 60. Geburtstag soll das anders werden. Mit Veranstaltungen, einer Homepage und einem neuen Logo will die Schule aus ihrem Versteck.
 

Die Martinsschule Sindelfingen liegt an einem idyllischen Fleckchen der Stadt: im Klostergarten gleich bei der Martinskirche. Mittendrin und doch etwas versteckt. Genau da liegt das Problem: „Die Menschen müssen uns suchen“, sagt Schulleiterin Renate Vetter-Weber.
Anders als auf der Hauptschule, dem Gymnasium oder der Realschule haben sich die Kinder meist nicht freiwillig für die Förderschule entschieden. Sie besuchen die Martinsschule, weil sie Probleme haben zu lernen, sich auf der Grund- oder Hauptschule überfordert fühlen, nicht versetzt werden und besonders gefördert werden müssen. Das schafft Vorurteile. “Viele glauben, hier herrscht die Gewalt“, so die Schulleiterin. Stattdessen werde an der Schule Höflichkeit groß geschrieben: „Ein guter Umgangston und Respekt gehören bei uns dazu.“

 

Raus aus dem Versteck

 

Die Martinsschule ist die älteste und zugleich kleinste Schule in Sindelfingen. 113 Schüler werden hier in elf Klassen unterrichtet. Im Jahr 1949 startete die Hilfsschule, wie sie damals genannt wurde, mit nur 25 Schülern. Sie war an die Volksschule in der Gartenstraße angegliedert.
1959 zog die Martinsschule in eigene Räume, bis sie schließlich 1964 im Klostergarten ihr eigenes Gebäude bekam. 1970 weihte Sindelfingen die Sonderschule für Lernbehinderte ein. Bis heute ist sie die einzige Sonderschule in städtischer Trägerschaft. Seit 1987 heißt sie Martinsschule nach dem heiligen Martin von Tours. Seit 1990 findet den ganzen Tag Unterricht statt.
Ein Ziel der Schule ist es, aus Anlass ihres 60. Geburtstags ins gesellschaftliche Leben zu rücken. Dazu gehören Projekte, die außerhalb des normalen Unterrichts stattfinden: Schüler nehmen an Lesewettbewerben teil, arbeiten im Café in der Galerie der Stadt Sindelfingen mit und pflegen und bepflanzen das Beet beim Ullmann-Denkmal. Vereine, andere Sindelfinger Schulen und der Förderverein Martinsschule unterstützen sie.
Eine große Geburtstagsfeier wird es nicht geben. „Das macht ja jeder“, sagt Renate Vetter-Weber. Stattdessen organisiert die Schule Veranstaltungen, die über das ganze Jahr verteilt sind. Ein Teil davon ist die Zaubergala am Sonntag.
In der Festschrift, die den Namen „Mittendrin“ trägt, stehen weitere Veranstaltungen. Unter anderem heißt es am Freitag, 15. Mai, um 19 Uhr und am Samstag, 16. Mai, um 16 Uhr „Manege frei“ für den Zirkus Lisamartoni in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums. Schüler beider Schulen arbeiten hier zusammen und zeigen Kunststücke aus neun Zirkusdisziplinen. Im April pflanzten die Schüler Bäume im Sindelfinger Stadtwald und bekamen einen Einblick in die Arbeit eines Försters.

Seit diesem Jahr hat die Martinsschule ein eigenes Logo. Die Internetseite www.martinsschule-sindelfingen.de ist bald fertig. Darauf finden Eltern und Schüler Informationen rund um den Unterricht und den Schulalltag.