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vom 17.02.2012
 

Das Leben ist wie ein Fußballspiel

Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert
 
Ich bin intergalaktisch saumäßig froh hier da sein zu dürfen. Au weia. Uwe Hück hat den Satz noch nicht richtig zu Ende gesprochen, da hat er auch schon gemerkt: So quere Formulierungen kann er seinen Zuhörern nicht antun. Und sich selbst auch nicht. Also redet der Porsche-Betriebsratschef wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Damit kommt er bei den Schülern der Sindelfinger Martinsschule und der Klostergartengrundschule gut an.
 
Das Leben ist wie ein Fußballspiel, erklärt Hück: Du wirst mal hinfallen und du wirst wieder aufstehen. Es kann sein, du bist nur Ersatzspieler, oder es kann sein, du hast alles gegeben und trotzdem verloren. Dann sei stolz darauf, was du geleistet hast. Für Hück ist das nicht nur eine verbale Motivationsspritze für die Sonderschüler.
 

Es ist ein Stück aus seinem Leben. Hück verlor früh die Eltern, wuchs im Kinderheim auf und hat sich irgendwann gefragt: Warum soll ich deswegen ein Verlierer sein. Er gehört zu denen, über die man flapsig sagt, sie hätten keine Chance gehabt, aber diese genutzt.

 

Auffällig, aber nicht dumm

 

Ich war als Kind auffällig, aber nicht dumm, sagt er rückblickend. Auf der Suche nach sich selbst hat er irgendwann begriffen, dass es kein Vorteil ist, wenn ihn der Lehrer vor die Tür schickt, sondern tatsächlich eine Strafe, weil er den Unterricht verpasst. Am Ende der Hauptschule war er so ehrgeizig, dass er mit dem Jugendamt einen Vertrag schloss: Solange er die Lehre zum Lackierer gut schafft, bezahlt das Amt sein Einzelzimmer, wenns nicht klappt, muss er ins Jugendheim.

 

Hück hat’s geschafft. Heute ist er nicht nur Betriebsratsvorsitzender bei Porsche, sondern dort auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats. Abgehoben hat er deshalb nicht. Ich gehe jeden Tag die Treppe runter, damit ich nicht vergesse, wo ich herkomme.

 

Der Fußball und das Leben haben noch mehr gemeinsam als kämpfen, gewinnen und verlieren, hinfallen und aufstehen. Das Foul etwa. Zu spät kommen oder die Hausaufgaben nicht machen, fallen darunter. Das ist Hücks Steilvorlage für die Lehrer der Förderschule.

 

Oder, dass einer dem anderen hilft. Das ist Uwe Hück wichtig. Was in den Unternehmen etwas steif mit dem Begriff soziale Kompetenz daherkommt, lebt der Betriebsratsvorsitzende vor. Er unterstützt heute das Kinderheim, in dem er aufgewachsen ist, hat zu seinem leiblichen Sohn zwei elternlose Brüder aus Asien adoptiert und wenn es um sein Unternehmen, um Porsche geht, dann zieht er alle Register.

 

Eine Firma, die Gewinne macht, hat für ihn eine besondere Verantwortung. Etwa für die Ausbildung. Deshalb seien 40 Prozent der Porsche-Lehrlinge Hauptschüler. Wir haben einen tollen Erfolg damit. Mit der Abschlussprüfung dürfe es aber nicht vorbei sein. Uwe Hück: Wir können die jungen Menschen doch nicht ausbilden und dann zu Hartz IV rüberschicken. Er verlangt stets die volle Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis.

 

Pate für einen 13-Jährigen

 

Uwe Hück hat aber nicht nur eine Begeisterung entfachende Rede mitgebracht, sondern auch ein paar Bälle. Und am Ende lässt er weit mehr da. Als ihm ein 13-Jähriger ein selbstgemaltes Bild von einem Auto überreicht, das wohl manch 15-jähriger Gymnasiast so nicht hinbekommen hätte, drückt er dem seine Visitenkarte in die Hand. Er solle ihm eine E-Mail mit seinen Kontaktdaten schreiben. Dann wolle er ihn zu Unternehmer Wolfgang Porsche einladen. Außerdem wolle er regelmäßig seine Zeugnisse sehen. Wenn er sich anstrenge, das ist für Hück das A und O, dann lade er ihn zum Eignungstest bei Porsche ein.

 

Aber nicht nur ihn. Auch von den jetzigen Schulabgängern seien die engagierten willkommen. Rektorin Renate Vetter-Weber solle sie ihm melden; zehn oder 15 und, wenn es ein 16. Schüler verdient hätte, dann auch den noch dazu.

 

Zum nächsten Fest der Martinsschule am 20. Oktober will Uwe Hück auch kommen und dazu die Bälle fürs Torwandschießen stiften.

 

Vergessen wird er die Sindelfinger Martinsschule und seine Versprechen nicht. Das Bild des 13-Jährigen wird ihn daran erinnern. Er wird es in seinem Büro aufhängen. Der Blick darauf ist dann auch so eine Art Treppe, die gut ist für die Bodenhaftung.

 

Betriebsratschef Uwe Hück erläutert Schülern der Sindelfinger Martinsschule ein Porsche-Modell. Bild: Reichert