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vom 14.05.2012
 
 
 

Großer Beifall für Artistik und Poesie

 

Der Lisamartoni Schulzirkus begeistert in Sindelfingen

 

Im berstend vollen Zirkuszelt tummelten sich am Freitagabend einrädrige Zwerge, flatternde Paradiesvögel und balancierende Frösche. Die kunterbunte Premiere des Schülerzirkus Lisamartoni im Sommerhofenpark fand viel Beifall.

 

Von Carmen Nussbächer

 

SINDELFINGEN. "Boah!" geht ein Raunen durch die Reihen der jüngsten Besucher, als zu Beginn die gutgelaunte Glitzerfee Blütentraum vom Zeltdach in die abgedunkelte Manege schwebt. Ganz gebannt beobachten Groß und Klein anschließend, wie 96 Schüler der Sindelfinger Martinsschule und des Böblinger Lise- Meitner-Gymnasiums eine fantastische Wandlungsgeschichte in akrobatischen Bildern erzählen.
"Sind Königs noch zu retten?" heißt es beim fünfjährigen Kooperationsjubiläum der beiden Schulen. Eine missgelaunte Königsfamilie, eine helfende Fee und viele quirlige Untertanen bilden die Zutaten für ein Feuerwerk an Darbietungen, das nicht nur Königs richtig Laune macht. Da bauen kämpfende Ritter mal schnell eine Menschenpyramide, grellbunte Vögel schaukeln neben schwarz-weißen Fledermäusen am Trapez und glitzernde Tänzerinnen wirbeln zu lateinamerikanischen Rhythmen über den Manegeboden.
Mit grasgrünem Gesicht balanciert Cenik Kaan auf einem Rola-Bola - einem Brett, das quer über einen Zylinder gelegt wird. Der 14-Jährige stellt einen Frosch dar und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, als es heißt, auf dem wackeligen Posten zusätzlich mit drei Bällen zu jonglieren. "Mir macht es einfach richtig viel Spaß, beim Zirkus mitzuwirken", erklärt der Martinsschüler nach seiner gelungenen Vorführung. Ob er bei 400 Zuschauern nervös war? "Eigentlich war es so wie sonst", sagt der junge Artist grinsend und verschwindet gutgelaunt im Getümmel. Ihren Auftritt noch vor sich, kichern drei adrett gekleidete Kellnerinnen in der Pause hinterm Zelt. Die Siebtklässlerinnen vom Lise-Meitner-Gymnasium, Franca Schmidt, Sophie Mayer und Elisabeth Tartler, freuen sich auf ihren gemeinsamen Auftritt. "Wir Seilläuferinnen müssen eigentlich für die Königsfamilie putzen. Aber ich tue dann so, als würde ich mich auf dem Seil mit Sekt betrinken", verrät die 13-jährige Elisabeth Tartler einen Teil der späteren Szenerie. Die jungen Seilartisten haben sich ein Jahr lang durch Übungen auf dem Drahtseil und auf einer Slackline vorbereitet. Was mehr Spaß macht? "Das Drahtseil!" steht für Sophie spontan fest. Franca gefällt auch die locker gespannte Slackline, "denn das ist dann mehr so Freestyle".
Alisa Kühn und Verena Noll schweben richtig professionell durch die Lüfte. Die beiden Zehntklässlerinnen aus Böblingen schwingen synchron als Schneeweißchen und Rosenrot an Vertikaltüchern durch die Zeltkuppel, bevor sie sich wagemutig kopfüber wieder festem Boden nähern. Unten angekommen, bekommt der Königssohn im Bärenkostüm für seine Begeisterung von den beiden Turnerinnen zwei Schmatzer auf die Backe. "Da wär man doch gerne Bär", raunt es amüsiert aus den dunklen Zuschauerreihen.
Michael Lauer, Gymnasiallehrer aus Stuttgart, kennt Zirkusprojekte bereits von der eigenen Schule. "Das Spannende und Inspirierende für mich ist heute, zu erfahren, wie die Integration von Förderschule und Gymnasium bewerkstelligt wird." Von der Umsetzung zeigt er sich sichtlich angetan. "Ich beglückwünsche die Organisatoren für ihren Mut und das tolle Ergebnis und hoffe, dass das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen wird!"
Sepp Schmid, Lehrer der Martinsschule, strahlt nach der Vorstellung übers ganze Gesicht. "Der Zirkusunterricht funktioniert optimal", freut sich der Zirkus-Initiator. Den großen Vorteil des etwas anderen Unterrichts sieht er vor allem darin, "dass Lesen und Schreiben dabei keine Rolle spielen." Auch Akrobatiktrainer Martin Bukovsek schwärmt von dem unkonventionellen Ansatz. "Im Zirkus herrscht ganz viel Freiheit und es gibt keine Normen. Hier lernen Kinder spielerisch, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, wenn sie Körperkontakt zu anderen herstellen." Dem selbständigen Luftakrobaten und Pädagogen aus Stuttgart ist es wichtig, eigene Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben, denn "wenn ein Kind beispielsweise lernt, seine Höhenangst zu überwinden, hilft ihm diese Erfahrung dabei, andere Ängste zu meistern."
Sindelfingens OB Dr. Bernd Vöhringer sitzt bei den Vorführungen todesmutig in der ersten Reihe. Denn nicht nur die Messerjonglage von kleinen Profi-Köchen hat es in sich. Immer wieder saust auch ein Diabolo knapp an den Köpfen der Zuschauer vorbei durch die Luft. "Ich bin beeindruckt von der herausragenden Leistung der Kinder", resümiert der Stadtobere. "Man sieht richtig, dass es ihnen Freude macht. Diese Schulkooperation ist wirklich wichtig."
So viel Spaß es allen gemacht hat, sei die soziale Seite des Zirkusprojekts nicht vergessen. Denn mit den Einnahmen sollen zwei Schulbotschafter dabei unterstützt werden, bei Straßenkindern in Guatemala einen freiwilligen sozialen Dienst zu leisten. Damit bringt der Zirkus am Ende nicht nur Kindergesichter in Sindelfingen, sondern auch in Mittelamerika zum Strahlen.

 
 
 
 
Bilder: T. Lambart